Roman Bucheli: Schriftsteller als Wiederholungstäter

"Dem Schreiben geht eine Mangelerfahrung voraus: Es befreit das Ungestaltete und Amorphe zu Gestalt und Form. Und es mündet in einer Verlusterfahrung: Was seine Form gefunden hat, sei was geglückt und gelungen, was abgeschlossen ist, geht dem schreibenden Ich verloren. Es liegt bereits wieder ausserhalb seiner selbst. Das Schreiben erfüllt sich im Augenblick des Findens: Nur dann ist das schöpferische Ich ganz bei sich. Darum wohl sind Schriftsteller Wiederholungstäter. Das Glück hält nicht an; es muss immer aufs Neue gesucht werden.

aus: "Zur Sprache gehen" Vorwort zur Beilage der Neue Zürcher Zeitung 12.5.2002

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