Thomas David fragt die Baroness James of Holland anlässlich des erscheinens ihres neunzehnten kriminalromans:

Können Sie sich ein Bild dessen machen, was T.S. Eliot in seinem Gedicht “Die hohlen Männer” als ‘Traumreich des Todes’ bezeichnet?

“Nein, so weit würde ich niemals gehen. Ich kann in meinen Romanen nur den Augenblick beschreiben, in dem das Opfer nichts anderes mehr spürt, in dem das Herz zu schlagen aufhört und es klinisch tot ist. Alles, was danach kommt, können wir nicht wissen, und wir können nicht in Bereiche vordringen, die sich unserer Vorstellung entziehen. Ich weiß, dass es Autoren gibt, die dies versuchen und ein Leben nach dem Tod und diese andere Sphäre der Realität beschreiben. Aber in einem Detektivroman kann ich nach dem Mord nur von dem erzählen, was der Tod für die Hinterbliebenen bedeutet und für diejenigen, die im Einflussbereich des Mordes stehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei dem Detektivroman um ein sehr rationales Genre handelt.”
“Ein makelloser Tod” ist im verlag Droemer/Knaur erschienen

“Zunächst glaube ich, dass die meisten Schriftsteller, sogar die besten, beim Schreiben zuviel hineinpacken. Ich selbst ziehe es vor, in dieser Hinsicht zu untertreiben. Schlicht und klar wie ein Gebirgsbach. Doch ich hatte das Gefühl, dass mein Stil zu schwerfällig wurde, dass ich drei Seiten brauchte, um die Wirkung zu erzielen, die ich mit einem einzigen Absatz hätte erreichen sollen. Immer wieder las ich alles durch, was ich geschrieben hatte, und mir kamen allmählich Zweifel (…). Ich las “Kaltblütig” noch einmal durch und machte dieselbe Erfahrung. Da wimmelte es von Stellen, an denen ich nicht so gut geschrieben hatte, wie ich es wirklich konnte, an denen ich nicht alles gegeben hatte, was mir zur Verfügung stand. Langsam, jedoch mit zunehmender Beunruhigung, las ich jedes Wort, das ich jemals veröffentlicht hatte, und kam zu der Einsicht, dass ich niemals in meinem ganzen Schriftstellerleben die volle Energie, den vollen ästhetischen Reiz des Materials komplett erschlossen hatte. Selbst wenn das Ergebnis gut war, erkannte ich, dass ich niemals mehr als die Hälfte, manchmal auch nur ein Drittel meines Talents eingesetzt hatte. Warum?”

Die ANTWORT nach Monaten des Nachdenkens war einfach, aber nicht sehr zufriedenstellend. Auf jeden Fall war sie nicht geeignet, mich aus meiner Depression zu entlassen; im Gegenteil, sie verschlimmerte sie noch.

Denn diese Antwort schuf ein scheinbar unlösbares Problem, und wenn ich das nicht lösen konnte, dann konnte ich auch gleich aufhören zu schreiben. Das Problem lautete: Wie kann ein Autor in einer einzigen literarischen Form – sagen wir, in einer Kurzgeschichte – alles vereinigen, was er über sämtliche anderen literarischen Formen weiß? Denn das war es, warum es meiner Arbeit häufig an Glanz mangelte; die elektrische Spannung war da, weil ich mich jedoch auf die Techniken derjenigen literarischen Form beschränkte, in der ich arbeitete, brachte ich nicht alles ein, was ich vom Schreiben verstand – alles, was ich aus Drehbüchern, Theaterstücken, Reportagen, Gedichten, Kurzgeschichten, Novellen und Romanen gelernt hatte.
zitat aus: “Erhörte Gebete”, Kein & Aber Verlag Zürich

die schriftstellerin hatte sich gut vorbereitt für ihre ansprache zur gedenkfeier für ihren vater an der University of Minnesota. während des vortrags begann sie plötzlich ohne vorherige anzeichen am ganzen körper zu zittern, “Arme und Beine gerieten völlig außer Kontrolle”. weder neurologen noch nader ärzte fanden eine erklärung für dieses phänomen, das sich seither wiederholt. Sandra Kegel im interview mit der schriftstellerin fragt:

War das Buch auch eine Art Therapie?

“Das Erzählen ist ein Weg, die Krankheit und den Schmerz zu beherrschen, nicht aber zu heilen. Das Sprechen und Schreiben darüber hilft.n Ich durchdringe mein Leiden auf neurologischer und psychologischer Ebene, und das Buch reflektiert diesen Vorgang. Doch die Krankheit ist nicht überwunden. Und auch da ist die Perspektive enscheidend. Denn es gibt in der Wissenschaft Hinweise darauf, dass es die reine, also biologische Empfindung von Schmerz gar nicht gibt, sondern sie von der Persönlichkeit des Erkrankten abhängt. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist die Art und Weise, wie man sie persönlich wahrnimmt, entscheidnend für den Verlauf. Bei einer Grippe kehrt man schnell zu demjenigen zurück, der man glaubt zu sein. Eine chronische Krankheit kann man nur annehmen oder verdrängen. Deshalb lautet der letzte Satz in meinem Buch: “Ich bin die zitternde Frau.” Das bedeutet, dass ich die Krankheit angenommen habe. Und zwar nicht als Fremdling sondern als Teil von mir.”
Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven. erscheint bei Rowohlt

Liebe Autorinnen und Autoren,

im Zusammenhang mit der Plagiatsdiskussion um die siebzehnjährige Helene Hegemann mit ihrem Buch “Axolotl Roadkill” und ihren geistigen Organspendern, dem Blogger Airen wie auch anderen inzwischen gelisteten Beliehenen, kam die Frage auf, wo beim Schreiben in der Manier der “copy & paste”-Methode die Originalität bleibt, was also als eigene schöpferische Arbeit nach so vielen fremden Anleihen übrig bleibt.

Stolz auf eine Würdigung seiner überzeugenden Hauptfigur kann Gerard Donovan sein, der eine begeisterte Rezension auf
www.arte.tv/de/Bestenliste-2009-12/3048758.html
zum Thema Glaubwürdigkeit erhielt. Sein Buch “Winter in Maine” hat einen ungewöhnlichen Charakter - einen Mann, dessen einzige Freunde sein Hund Hobbes und die 3282 Bücher seines Vaters sind. Wie reagiert er darauf als sie ihm genommen werden: “Morde aus der Sicht des Mörders zu schildern ist ein selten gelingendes Unterfangen. Gerard Donovan gelingt das so bravourös, dass man sich als Leser ständig auf der Seite des Mörders erwischt”, schreibt der Kritiker.

Lajos Egri bemerkt in seinem Klassiker “Literarisches Schreiben” dazu: “Eine Idee allein reicht nie für eine gute Story, eine starke Figur dagegen schon. … Jedes literarische Werk steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit seiner Figuren…. Den Schriftsteller interessiert vor allem, wie sich ein Mensch – eine dreidimensionale Figur – im wahren Leben verhält.” Heute ist die Neuauflage eingetroffen: Lajos Egri “Literarisches Schreiben. Starke Charaktere. Originelle Ideen. Überzeugende Handlung”, 208 Seiten, nur 14,90 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/32.45.0.0.1.0.phtml

Bestsellerautor Larry Beinhart geht in seiner Anleitung “Crime - Kriminalromane und Thriller schreiben” darauf ein: “Charaktere, die den Leser in die Story hineinziehen, zu entwerfen gilt als wichtigste literarische Qualität. Neunzig Prozent davon ist nur eine Variation der erzählerischen Dynamik. Erklären Sie dem Leser, was Ihre Figur will, warum sie es will und warum es so verdammt wichtig für sie ist. Machen Sie dem Leser klar, dass sowohl Erfolg als auch Versagen einschneidende Konsequenzen haben. Dann zeigen Sie ihm, was Ihre Figur bereit ist zu tun, um das ersehnte Ziel zu erreichen. Und das schaffen Sie durch handwerkliches Können und harte Arbeit.” Die Neuauflage von “Crime - Kriminalromane & Thriller schreiben” ist ebenfalls heute eingetroffen: 232 Seiten, 16,80 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/47.80.0.0.1.0.phtml

Im Tieger-Blog offenbart Héctor Abad bereitwillig gravierende Schwächen und wie ihn “Ein Messer ohne Klinge, an dem ein Stiel fehlt” dennoch zum Schriftsteller macht und eine erfolgreiche Literaturagentin verrät, wie es ihr gelungen ist, selbst für unbekannte Schriftsteller einen Verlag zu interessieren:
www.autorinnen.de

Wenn Sie Ihr Manuskript bei einer seriösen Literaturagentur unterbringen oder dem richtigen Verlag anbieten möchten: Im Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/2011 finden Sie dazu die aktuell recherchierten Adressen, mit Genre-Index und durch Fragebogen ermittelten Programme und Angaben zur Form der Manuskriptangebote. Dazu hunderte weiterer Adressen aus dem Literaturbetrieb, redaktionelle Beiträge zum Buchmarkt unmd zum Schreiben und Veröffentlichen. Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2010/2011, Hardcover, 800 Seiten, nur 29,90 Euro versandkostenfrei:
www.autoren-jahrbuch.de

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Gerhild Tieger

Bitte besuchen Sie auch: www.edition-tieger.de

“Ich habe keine Phantasie, ich habe ein schlechtes Gedächtnis. Ich schreibe mit Hilfe meiner Erinnerungen, aber da ich ein sehr schlechtes Gedächtnis habe, gebe ich beim Erzählen keine Tatsachen wieder, sondern eine verzerrte Darstellung dessen, was geschehen ist. (…)
Wer diese ganz besondere Art von Grausamkeit erdulden muss - ein schlechtes Gedächtnis -, für den ist die Vergangenheit fast genauso unwirklich wie die Zukunft. Blicke ich zurück und versuche mich an die Dinge zu erinnern, die ich erlebt habe, die Schritte, die mich hierher geführt haben, weiss ich niemals mit völliger Gewissheit, ob ich mich tatsächlich erinnere oder erfinde. Während wir die Dinge erleben, in der Zeit ‘dazwischen’, die wir als Gegenwart bezeichnen - mit all dem zerstörerischen Gewicht, das die unmittelbare Wirklichkeit besitzt -, kommt uns alles banal und beständig und fest vor, wie ein Tisch oder ein Hocker; indes die Zeit vergeht, brechen jedoch die Beine dieses Hockers, oder sie gehen verloren, die Sitzfläche biegt sich durch, die Rückenlehne verzieht sich, die Armstützen werden von Termiten zerfressen, bis die Dinge zuletzt so unwirklich sind wie jener Gegenstand, den Lichtenberg einmal so wunderbar bestimmt hat: “Ein Messer ohne Klinge, an welchem der Stiel fehlt.”
Was ist das für ein Gegenstand? Ein Gegenstand, der nur in Wortgestalt existieren kann, etwas, was man nicht vorzeigen kann, was Sie jedoch mit Hilfe der Worte “Ein Messer ohne Klinge, an welchem der Stiel fehlt” sehen können. Genau das ist fast immer die Vergangenheit, etwas, was nicht mehr da ist und wovon uns nur die Spur der Worte bleibt. Was bereits geschehen ist und was erst noch geschehen wird, über beides kann ich in meinem Kopf blosse Vermutungen anstellen. Die autobiografischen Berichte, aus denen meine Bücher bestehen, sind von genau dieser gemischten Beschaffenheit: entweder die geduldige Wiederherstellung - mit Hilfe von Indizien - einer Vergangenheit, die nicht mehr genau erinnert wird, oder das Erstaunen angesichts einer Zukunft, die Angst oder Sehnsucht hervorruft, womöglich aber niemals eintreten wird.”
von Héctor Abad erschien zuletzt ein buch über seinen ermordeten vater im Verlag Berenberg: Brief an einen Schatten. Eine Geschichte aus Kolumbien.

Brigitte Kramer im gespräch mit der erfolgreichen spanischen literaturagentin Carmen Balcells, die schriftsteller wie Roberto Bolano, Antonio Lobo Antunes, IsaelCarlos Fuentes, Gabriel Garcia Marquez, Mario Vargas Llosa, Juan Carlos Onetti berühmt gemacht hat.

Sie waren vierzig Jahr Literaturagentin. Worauf gründet Ihr Erfolg?
“Bei meinen Verhandlungen habe ich mir eine ziemlich unorthodoxe Methode zugelegt. Imer, wenn ein Verleger einen leicht verkäuflichen Autor wollte, habe ich ihn gebeten, auch einen “schwierigen” dazuzunehmen. So konnte ich viele damals unbekannte Autoren verkaufen. Das ist mir zum Beispiel Anfang der achtziger Jahre mit Isabel Allendes Debütroman “Das Geisterhaus” geluntgen. Generell verstehe ich mich als Güterverwalterin auf Kommissionsbasis. Dass ich diese Güter exklusiv und weltweit verwaltet habe, das hat einen riesigen bürokratischen Aufwand nach sich gezogen, der eigentlich nicht tragbar ist. In der Agentur arbeiten heute 40 Personen.
Sonst war meine Arbeit wie die von allen Leuten. Man versucht, Hindernisse zu umschiffen, und wenn sich unterwegs die Gelegenheit ergibt, die Ereignisse zu steuern, um so besser. Ich wurde aber auch betrogen, verraten, hintergangen … Mein Beruf war vor allem durch eines geprägt: zwischenmenschliche Beziehungen.”

Dafür sind Sie offenbar begabt.
“Wenn die Arbeit darin besteht, fremde Interessen zu vertreten, dann ist das Talent des anderen der größte Reichtum. Meine Begabung ist es, dieses Talent bei anderen zu erkennen. Die Arbeit war nie bequem, aber außerordentlich anregend. Ich konnte viel beitragen: etwa das Kleingedruckte der Verträge. Dabei darf man den Pressionen nicht nachgeben, die man von allen Seiten zu spüren bekommt.”

Was hat Ihnen in Ihrem Beruf geholfen?
“Meine Unbefangenheit. Ich suche noch heute das Lesevergnügen mit derselben Unvoreingenommeheit wie vor 40 Jahren. Die ersts Seite genügt mir mittlerweile, um zu wissen, ob ein Manuskript mir gefällt.”

Autorenbrief vom 17. Februar 2010

Liebe Autorinnen und Autoren,

“Dramaturgischer Rat” ist ein Gedicht von Friedrich Dürrenmatt überschrieben: “Verzapf keinen Tiefsinn / Füge dem Rätsel kein neues bei / Es liegt nicht im Wort / Schaff ein Gebilde.” Auf der Berlinale gibt es jetzt täglich Gelegenheit, die Filme großartiger Regisseure daraufhin zu prüfen, welchen Regeln ihre Drehbuchautoren beim Schreiben gefolgt sind.

Der französische Altmeister des Kinos, Claude Chabrol, der im vorigen Jahr die Berlinale Kamera für sein Lebenswerk erhielt, vergleicht das Drehbuch mit einem “Gebäude, dessen Bau sich von Sequenz zu Sequenz weiterentwicklet. Die Schwierigkeit rührt daher, dass es leichter ist, innerhalb einer Sequenz alles ins Gleichgewicht zu bringen als in einer Folge von Sequenzen. Es kann vorkommen, dass man eine bestimmte Anzahl von Sequenzen vor sich hat und in jeder einzelnen stimmt alles. Das Gleichgewicht scheint vollkommen. Aber wenn man sie dann verbindet, stellt sich heraus, dass es als Ganzes nicht funktioniert. … Deshalb muss man die Sequenzen eine nach der anderen überprüfen und eventuell Teile von Szenen restrukturieren. Das heißt, sie entweder kürzen oder sie im Gegenteil ausdehnen, um den Zusammenhalt des Ganzen zu gewährleisten, eine Technik, die man mit der Zeit immer besser beherrscht oder anders gesagt: empfindet. Auf diese Weise macht man Fortschritte.”
Claude Chabrol: Wie man einen Film macht, 92 Seiten, nur 9,80 Euro versandkostenfrei
www.autorenhaus-verlag.de/64.106.0.0.1.0.phtml

Auch Sidney Lumet, Drehbuchautor und Regisseur zahlreicher bekannter Filme, kennt das Problem, das schon viele Drehbuch- wie Romanautoren zur Verzweiflung gebracht hat und schlägt vor, kühl die Situation zu analysieren: “Als Erstes untersuchen wir jede Szene, in der richtigen chronologischen Reihenfolge. Trägt diese Szene etwas zum Grundthema bei? Wie? Trägt sie zur Handlung bei? Zur Figur? Verläuft die Handlung in einem sich zunehmend steigernden dramatischen Spannungsbogen? In einer Komödie beispielsweise: Wird sie lustiger? Wird die Handlung von den Figuren vorangetrieben?”

Manche Schriftsteller brauchen als Ziel beim Schreiben die Vorstellung wie ihre Geschichte zu Ende gehen kann. Für Sidney Lumet ist es die Unausweichlichkeit, der Sog, der die Charaktere mitzieht, dem sie nicht entgehen können: “In einem gutgebauten Drama möchte ich das Gefühl haben: ‘Natürlich, darauf lief es die ganze Zeit hinaus.’ Trotzdem darf die Unausweichlichkeit nicht die Überraschung ausklammern. Unausweichlichkeit heißt nicht Vorhersagbarkeit. Das Drehbuch darf einen nicht zur Ruhe kommen lassen, muss einen ständig überraschen, unterhalten, hineinziehen und einem doch, wenn der Augenblick der Wahrheit kommt, das Gefühl vermitteln, dass die Geschichte genau so ausgehen musste.”
Sidney Lumet: Filme machen, 258 Seiten, nur 16,80 Euro versandkostenfrei:
www.autorenhaus-verlag.de/62.102.0.0.1.0.phtml

Im Tieger-Blog gesteht Fanny Ardant, dass sie von Schundromanen gelernt hat, der Autor von “Retter der Welt”, John Wray, warum er bisher lieber in seiner Fantasie gegraben hat und die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn sagt, welchen Vorteil die Fiktion gegenüber dem Sachbuch hat, wenn es um Spionage und Verrat geht.
www.autorinnen.de

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Gerhild Tieger

WENN SIE IHR MANUSKRIPT dem richtigen Verlag anbieten möchten: Im Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/2011 finden Sie dazu die aktuell recherchierten Adressen: Mit Genre-Index und durch Fragebogen ermittelten Programme und Angaben zur Form der Manuskriptangebote. Dazu hunderte weiterer Adressen aus dem Literaturbetrieb, redaktionelle Beiträge zum Buchmarkt unmd zum Schreiben und Veröffentlichen. Jahrbuch für Autoren, Autorinnen 2010/2011, Hardcover, 800 Seiten, nur 29,90 Euro versandkostenfrei:
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was Marco Schmidt in seinem interview mit Frankreichs beliebter schauspielerin herausfand: schundromane haben sie gebildet.

“Schon als Kind war ich eine Einzelgängerin. Bücher waren meine einzigen Freunde. Sie haben mir alles über die Liebe beigebracht. Vor allem die Schundromane: Gerschichten von attraktiven, arroganten Männern und armen, bescheidenen, Frauen, die diamantene Tränen weinen. Auch heute macht es mir, im Gegensatz zu den meisten Menschen, nichts aus, allein zu sein und mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich schätze die Einsamkeit sehr.”

Eva Horn ist professorin für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel und hat über ihren forschungsschwerpunkt ein sachbuch geschrieben: über verschwörungen, verrat, spionage. Regula Freuler hat mir ihr gesprochen und gefragt:

Was haben fiktionale Werke fundiert recherchierten Sachbüchern über Spionagefälle voraus?

“Nur Fiktion kann die Dinge beim Namen nennen. Das sieht man exemplarisch bei Le Carré, nicht nur am Fall des britisch-sowjetischen Doppelagenten Kim Philby, den er im Roman “Dame, König, As, Spion” verarbeitete, sondern auch daran, wie er im Roman “Die Libelle” über Mossad-Aktionen schreibt. Le Carré hat offensichtlich noch lange nach seinem Ausscheiden aus dem Geheimdienst gute Kontakte gehabt und wurde mit Informationen versrogt.
Wenn Geheimdienstleute selber solche Dinge publik machen, würden sie sich strafbar machen. Wenn man dagegen einen Roman schreibt, kann man unter dem Deckmantel der Fiktion schreiben, was man will.
Bei Stanley Kubricks Film “Dr. Strangelove” hat der amerikanische Staat sogar verlangt, dass die Macher eine Fiktionalisierungsklausel voranstellen, so realitätsnah erschien das im Film entworfene Katastrophen-Szenario.
(…) Die Fiktion ist gerade deshalb eine scharfe Waffe, weil sie sich nicht auf eine ‘Wahrheit’
festlegt.”

Sie vertreten die These, dass gewisse fiktionale Werke einen bedeutenden Beitrag geleistet haben bei der Entwicklung der Geheimdienste. Wie muss man sich das vorstellen?
“Während das Militär und die Polizei noch Dienst nach Vorschrift machten, waren es die Romanautoren, die zum ersten Mal nicht nur die Notwendigkeit von Spionen sahen, sondern auch ein Bild davon entwarfen, was diese Spione können müssen. Gute Beispiele sind etwa Rudyard Kiplings Roman “Kim” (1901), in dem der Typus des Kolonialspions entworfen wird, und Erskine Childers’ Roman “Das Rätsel der Sandbank” (1903) für den britischen Marinegeheimdienst. “Kim” finde ich heute ungeheuer aktuell. Kipling beschreibt darin einen jungen Waisen, der in Indien im “Green Game” zwischen dem British Empire und dem russischen Reich eingesetzt wird. Was Kim auszeichnet, ist das, was das Empire damals Brauchte und was die Russen nicht hatten, nämlich kulturell versierte Figuren. (…) Heute bräuchten die Amerikaner im Irak solche Kims, um das Land und seine Bevölkerung zu verstehen.”

Verlag S. Fischer, tb: “Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion”

weil meine eigenen Erfahrungen nicht den Hoffnungen und Ambitionen entsprechen, die cich für meine Bücher habe. John Wray hat den roman “Retter der Welt”, geschrieben, in dem ein 16jähriger junge glaubt, er könne die welt vor der nahen klimakatastrophe retten, aber alle halten ihn für schizophren.
umagazin hat den schriftsteller interviewt und gefragt, wie stark autobiografisches erleben sein schreiben beeinflusst:

Bist du nicht Schriftsteller geworden, weil du das Gefühl hattest, da ist etwas in dir drin, was raus muss?

“Doch, natürlich. Ein Roman ist ja der intimste Ausdruck, den man sich vorstellen kann. Nur sollte man sich nicht fragen, ob ich schizophren bin, weil meine Hauptfigur unter dieser Krankheit leidet. Wenn man etwas über mich erfahren möchte, dann muss man sich nur anschauen, wie ich die Erzählung konstruiere, wie ich die Ereignisse schildere und welches System ich erfinde, um meinen Roman zu erzählen. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zynisch, aber wenn ich aufgefordert werden würde, könnte ich über jedes Thema schreiben. Die wichtigsten Entscheidungen werden immer erst nach der Themenfindung getroffen. Es gibt diese alte Weisheit, nach der es nur zwölf verschiedene Geschichten gibt, die immer wieder neu erzählt werden. Das ist wahrscheinlich eine Übertreibung, aber im Kern steckt da schon eine Wahrheit drin.”
erschienen bei Rowohlt

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