aus einem interview in der Zeit zu Cavazzonis buch “Die nutzlosen Schriftsteller”, von dem er sagte:
“Betrachten Sie das Buch als meine Autobiografie. Es ging mir darum, mich selbst und meine Arbeit infrage zu stellen.”

“Einen Kritiker braucht man, damit ein Schriftsteller sich einen Augenblick lang einbildet, er würde existieren.”

“Die Kritiker ähneln der Jury eines Schönheitswettbewerbs. Sie bewerten Maße wie den Hüftumfang. Das sind Urteile, die nichts mit dem Körper zu tun haben, den sie bewerten.”

im interview mit Urs Heinz Aerni über die entsteheung ihres romans ORFEOi:

“Eine Erzählung ist immer ein Stück Leben, in Literatur verwandelt. Also in jedem Fall etwas Offeneres und Weiträumigeres, auch Weitherzigeres hoffentlich, als eine Botschaft. Und am offensten ist vielleicht der Mythos - so offen, man kann auch sagen ursprünglich und universell, dass neue Adaptionen, Variationen oder Übermalungen zu jeder Zeit möglich sind.”

“Wenn er schreibt, wackelt Washington. Einfach hinsetzen, Bestseller produzieren, reich werden? David Baldacci hat 15 Jahre geschrieben, ohne eine Zeile zu verkaufen.” schreibt Claus Lutterbeck. heute gehört der krimischriftsteller mit 40 millionen auflage weltweit zur elite amerikanischer bestsellerautoren. David Baldacci hat als handyman in verschiedenen berufen gearbeitet, später jura studiert und lange als strafverteidiger und anwalt seinen lebensunterhalt verdient, aber nebenbei immer geschrieben:

“Schreiben war immer meine Leidenschaft. An Geld habe ich nie gedacht, ich musste einfach schreiben.”

das sagt ein schriftsteller, der eine kindheit in bescheidenen familienverhältnissen erlebt hat:
“Wir hatten nie Geld, es gab nicht jedes Jahr ein Geschenk für uns Kinder. Aber der Mangel hat uns erfindungsreich gemacht, wir haben uns immer neue Spiele ausgedacht.”

seine fantasie hat dies nur gestärkt: “Ich glaube, wenn ich reich aufgewachsen wäre und alles gehabt hätte, von dem ich immer geträumt habe, wäre ich heute bestimmt nicht Krimi-Autor.”

im januar 2010 bei Lübbe: Die Spieler. Camel Club. Band 3 und als taschenbuch Die Kampagne

“Besonders die Lyrik gilt vielen Romanautoren als die höchste Form: Wir hören in ihr Kadenzen, von denen wir in unserer Prosa träumen. Es passiert mir ziemlich oft, dass ich beim Schreiben innehalte und denke: ‘Ich imitiere unbewusst vielleicht nicht die Wörter, aber doch die Kadenz, den Rhythmus, den Takt eines Gedichts, dass ich gelesen habe.’
bei Diogenes erschienen: Am Strand als Taschenbuch

“Die Sprache des Gedichts verlangt, dass man in der Tiefe über sie nachdenkt. Man muss den psychischen Raum für Dichtung freihalten, und zwar anders, als man es für Prosa tut. … Und dieser freigeschaffene psychische Raum, der sich einem lyrischen Text öffnet, ermöglicht es erst, dass wir das Gedicht nicht nur lesen, sondern auch hören können.”

denn so wird der leser von gedichten belohnt:
“Dichtung macht high. Sie ist ein Kick. Wenn man die Menschen lehren würde, Dichtung richtig zu lesen, dann hätten sie ungeheure Freude daran.”

auf die frage, ob eine verfilmung seinen romanen gerecht werden kann erklärt der für seine und dramaturgisch perfekten spionageromane berühmte schriftsteller:

“Das Wesentliche bleibt. Man muss aus einer Kuh einen Brühwürfel machen. Ein Buch ist eine Riesensache mit ungeheuer viel Umfang. Man muss den richtigen Faden herausziehen und daraus den Film machen, also mit maximaler Flexibilität das Wesentliche erzählen.”

John Fante ht immerwieder seinen beruf als schriftsteller und drehbuchautor zum thema seiner romane gemacht. Charles Bukowski äußerte einmal: “Fante war mein Gott”.

“Ich fing dauernd Romane an und füllte damit die Pausen zwischen Drehbuchaufträgen. Aber das führte zu nichts und scheiterte an einem Mangel an Selbstvertrauen und Disziplin, und ich gab es schließlich mit einem Gefühl der Erleichterung auf.

Drehbuchschreiben war einfacher und brachte mehr Geld , diese eindimensionale Kritzelei, die vom Schreiber nichts weiter verlangt, als dass er seine Figuren in Bewegung hält. Die Formel war immer gleich: kämpfen und bumsen. Wenn das Drehbuch fertig war, gab man es anderen Leuten, die es dann in Fetzen rissen bei dem Versuch, daraus einen Film zu machen. Wenn man sich dagegen an einen Roman machte, war die Verantwortung erschreckend. Man war nicht nur der Schreiber, sondern auch der Held und alle anderen Rollen und außerdem Regisseur, Produzent und Kameramann. Hatte ein Drehbuch keinen Erfolg, konnte man immer vielen anderen Leuten - vom Regisseur abwärts - die Schuld geben. Wenn der Roman durchfiel, war man in seinem Elend allein.”
aus dem roman: Westlich von Rom - soviel ich weiß, ist dieser roman, einer seiner weniger erfolgreichen unterhaltungsromane, heute out of print. es gibt aber etliche seiner starken werke als taschenbücher bei Goldmann und Ullstein

Marco Schmidt berichtet in der FAZl über das Filmfestival in Marrakesch und von drei weltbekannten regisseuren Alfonso Cuaron, Emir Kusturica und Jim Jarmusch, die dort meisterkurse vor filmstudenten und journalisten abhielten “Von Gangstern, Musikern und Pilgern - Lernen von den Meistern: Cuarón, Jarmusch, Kusturica

Alfonso Cuarón wollte schon immer Filmregisseur werden: “Mit elf Jahren bin ich in Mexiko-Stadt täglich drei- oder viermal ins Kino gepilgert”, erzählt er. “Am liebsten in europäische Filme, weil es da oft nackte Frauenbrüste zu sehen gab!”

“Ich bin kein Lehrer”, stellt er gleich zu Beginn seines Meisterkurses klar, “sondern ein Student, der bei jedem Film aus seinen Fehlern etwas Neues lernt.”

“Wer auf die Story fixiert ist, vergiftet das Kino”, unterstreicht er. Ein Film dürfe nicht Sklave seines Handlungsablaufs sein: “Der Plot sollte bestenfalls als Köder dienen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Denn seine größte Kraft schöpft das Kino aus originellen filmischen Ideen.”

Zuerst legt Cuarón die optische Gestaltung fest: “Während meine ersten Filme viele Schnitte und Großaufnahmen aufwiesen und stets aus der subjektiven Sicht der Hauptfigur geschildert wurden, bevorzuge ich seit ,Y tu mamá también’ einen objektiven Ansatz mit langen, ungeschnittenen Weitwinkeleinstellungen, um das soziale Umfeld der Charaktere einzufangen”.

“Ich sehe den kompletten Film vor meinem geistigen Auge und versuche dann, ihn mit meinem Team umzusetzen.” Allerdings müsse man beim Drehen seine Ideen ständig über den Haufen werfen: “Vor Ort lasse ich einen besseren Film zu als den, den ich mir vorgestellt habe!”

Marco Schmidt berichtet am 7.1.2010 in der FAZ unter der überschrift “Von Gangstern, Musikern und Pilgern - Lernen von den Meistern: Cuarón, Jarmusch, Kusturica” über das Filmfestival Marrakesch und die meisterkurse der drei erfolgreichen regisseure.

Cool und bescheiden tritt Jarmusch auf: “Ich bin kein Lehrer”, stellt er gleich zu Beginn seines Meisterkurses klar, “sondern ein Student, der bei jedem Film aus seinen Fehlern etwas Neues lernt.”

Die Arbeit an einem Film beginnt meist mit der Idee für eine Figur: “Mein Job besteht darin, stets meine Antennen auszufahren, um Ideen zu empfangen”, sagt er. “Diese Einfälle sammle ich - das heißt, ich schreibe sie per Hand in ein kleines Notizbuch, und zwar so lange, bis sich eine Art Handlung herauskristallisiert.”

Das Drehbuch ist für ihn wie eine Landkarte, an der er sich am Set nur grob orientiert: “Man sollte immer offen sein für alternative Routen. Ich verzichte bewusst auf die üblichen Storyboards und Drehpläne, weil ich jede Art von Planung hasse.” Die Plazierung der Kamera ist ihm jedoch ebenso wichtig wie seinen beiden Kollegen, wobei er reichlich unkonventionell vorgeht: “Sobald ich ein spektakuläres Motiv entdecke, drehe ich mich um und filme in die andere Richtung. Alles Pittoreske ist mir zuwider!”

“Film ist Teamwork. Ohne die anderen würde sich das Schiff nirgendwohin bewegen.”

Jarmusch stellt sich bereits beim Schreiben immer bestimmte Schauspieler in den Hauptrollen vor - und schwört auf intensive Probenarbeit. “Allerdings probe ich nie die Szenen des Films. Stattdessen erfinde ich neue Situationen, damit die Darsteller lernen, so zu fühlen und zu handeln wie ihre Filmfiguren. Ich hoffe, dass sie dann beim Drehen improvisieren - und so meine stümperhaften Dialoge verbessern.”

Ich weiß, es klingt kitschig und nach Klischee - dem Klischee des “frühen Talents”: Ich begann als Grundschülerin Geschichten zu schreiben, gern auch Gedichte - in denen sich Haus auf Maus auf Nikolaus reimte. Nun ja.
Als ich zehn Jahre alt war, schrieb ich nach einem heftigen Sommergewitter ein Gedicht, beim dem sich “hören” auf “Föhren” reimte.
Gott sei Dank hatte ich Eltern, die mich ermutigten und nicht angesichts dieser Reimkünste mit dem Kopf schüttelten. Bald nach dem Föhren-Gedicht (ich weiß gar nicht, wie ich auf “Föhren” kam - gibt es in Berlin, meiner Heimatstadt, Föhren?) fing ich an, Tagebuch zu schreiben. Ich schrieb wie der Teufel, das Tagebuch ersetzte mir zeitweise die beste Freundin, die nämlich, zu meinem Leidwesen, auf ein anderes Gymnasium als ich geschickt wurde. Meine Eltern wollten unbedingt, daß ich mit Latein als erster Fremdsprache beginne… also wurde ich von meiner besten Freundin getrennt, die, wie auch meine anderen Freundinnen, mit Englisch beginnen sollten. Ich vertraute mich meinem Tagebuch an. Jeden Tag schrieb ich viele Seiten. Nicht nur über den Kummer mit den Freundinnen, auch über meine Ängste vor dem Dritten Weltkrieg, der Ökokatastrophe… manches liest sich im Nachhinein überzogen, anderes (Ökokatastrophe) wiederum gar nicht. Ich malte auch in mein Tagebuch, gerne Peace-Zeichen, von denen Tränen rannen… oder Reagan mit Pershing-II-Raketen mit Totenkopfgesichtern … ganz im Stil der vorherrschenden Achtziger-Jahre-Ästhetik, die Drama, Pathos und Weltuntergang beschwor, nun ja. Jedenfalls war mir mein Tagebuch ein sehr enger Vertrauter - oder vielmehr eine enge Vertraute. Bis eines Tages mein Vater mit einem Tablett mit Tee und Kuchen bei mir im Zimmer stand. Das war ein sehr sehr ungewöhnliches Verhalten für ihn, er war als Kunsthistoriker und Direktor eines Berliner Museums
(Kupferstichkabinett) ein Workaholic, ständig auf Dienstreisen, mein Bruder und ich bekamen ihn selten zu Gesicht. Später hat es ihm wohl leid getan, so wenig Zeit für uns gehabt zu haben, später, als ich selber anfing zu arbeiten, hatte ich mehr Verständnis für ihn als als Kind. Jedenfalls war sein Verhalten - die angedeutete Teepause - sehr ungewöhnlich. “Was ist los?” fragte ich erschrocken. Ich weiß es noch heute. “Es tut mir leid, Tanja, aber Deine Mutter und ich, wir haben Dein Tagebuch gelesen. Denn wir haben uns Sorgen um Dich gemacht, Du hast immer so bedrückt gewirkt…” Das Gespräch, was diesem Auftakt folgte, war gut gemeint, auch wenn es mir natürlich weder meine Freundin herbeizaubern noch meine Ängste vor allen Übeln dieser Welt nehmen konnte - . Aber “gut gemeint” ist eben nicht immer “gut”: Ich hatte nun auch noch mein Tagebuch als imaginäre Freundin verloren, die Vorstellung, daß andere - auch noch meine Eltern - es einfach heimlich von vorne bis hinten durchgelesen hatten, war mir ein Greuel - auch schämte ich mich für alle meine unausgegorenen Gedanken, Sorgen und Ängste, die ich darin zu Papier gebracht hatte. Ich habe seitdem nie wieder eine Zeile Tagebuch geschrieben. Das Ganze ist lange her, 28 Jahre. Lange Zeit war ich sehr wütend auf meine Eltern. Jetzt, viele Jahre später, denke ich: Wer weiß, wenn ich weiter so viel Tagebuch geschrieben hätte, wäre ich vielleicht nie Schriftstellerin geworden.
Denn nachdem es mit dem Tagebuch vorbei war, fing ich an, Texte zu schreiben, die andere auch heimlich lesen können würden.

Tanja Dückers, Sylt, im Januar 2010

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