Kalender


Brigitte Kramer im gespräch mit der erfolgreichen spanischen literaturagentin Carmen Balcells, die schriftsteller wie Roberto Bolano, Antonio Lobo Antunes, IsaelCarlos Fuentes, Gabriel Garcia Marquez, Mario Vargas Llosa, Juan Carlos Onetti berühmt gemacht hat.

Sie waren vierzig Jahr Literaturagentin. Worauf gründet Ihr Erfolg?
“Bei meinen Verhandlungen habe ich mir eine ziemlich unorthodoxe Methode zugelegt. Imer, wenn ein Verleger einen leicht verkäuflichen Autor wollte, habe ich ihn gebeten, auch einen “schwierigen” dazuzunehmen. So konnte ich viele damals unbekannte Autoren verkaufen. Das ist mir zum Beispiel Anfang der achtziger Jahre mit Isabel Allendes Debütroman “Das Geisterhaus” geluntgen. Generell verstehe ich mich als Güterverwalterin auf Kommissionsbasis. Dass ich diese Güter exklusiv und weltweit verwaltet habe, das hat einen riesigen bürokratischen Aufwand nach sich gezogen, der eigentlich nicht tragbar ist. In der Agentur arbeiten heute 40 Personen.
Sonst war meine Arbeit wie die von allen Leuten. Man versucht, Hindernisse zu umschiffen, und wenn sich unterwegs die Gelegenheit ergibt, die Ereignisse zu steuern, um so besser. Ich wurde aber auch betrogen, verraten, hintergangen … Mein Beruf war vor allem durch eines geprägt: zwischenmenschliche Beziehungen.”

Dafür sind Sie offenbar begabt.
“Wenn die Arbeit darin besteht, fremde Interessen zu vertreten, dann ist das Talent des anderen der größte Reichtum. Meine Begabung ist es, dieses Talent bei anderen zu erkennen. Die Arbeit war nie bequem, aber außerordentlich anregend. Ich konnte viel beitragen: etwa das Kleingedruckte der Verträge. Dabei darf man den Pressionen nicht nachgeben, die man von allen Seiten zu spüren bekommt.”

Was hat Ihnen in Ihrem Beruf geholfen?
“Meine Unbefangenheit. Ich suche noch heute das Lesevergnügen mit derselben Unvoreingenommeheit wie vor 40 Jahren. Die ersts Seite genügt mir mittlerweile, um zu wissen, ob ein Manuskript mir gefällt.”

stellt unter dem Titel Hinaus in den Garten Frauen und Gärten auf 53 Vierfarbseiten in den literarischen Mittelpunkt. Für den tristen Januar steht Niki de Saint Phalles strahlend farbige Jungfrau und Drachen aus dem Tarot-Garten, den sie zusammen mit Jean Tinguely mit Plastiken bevölkert haben.
der monat februar enthält ein gedicht der Kaiserin Elisabeth I von Österreich, die glaubte, dass der von ihr hochverehrte Heinrich Heine ihr “Verse in die Feder” diktiere.

Wir sehen Haus und Garten, den die Schriftstellerin Barabara Frischmuth gestaltet hat und der, neben ihren literarischen Werken, Anregung für ihre drei Bücher mit Gartengeschichten war;
Elisabet von Arnim, die mit ihrem Debütroman Elisabeth und ihr Garten auch in England (unter dem Titel Elizabeth and her flowergarden”) viele Auflagen verkauft hat, und die meinte “…hätte Eva im Paradies einen Spaten gehabt und etwas damit anfangen können, hätten wir nicht diese ganze traurige Geschichte mit dem Apfel.”

Besonders lieb ist mir ein Kalenderblatt im Mai mit einer wunderbaren Collage von Hannah Höch, der Berliner DADA-Künstlerin, die selbst einen liebevoll gestalteten Garten angelegt hat.

Der Gespenstermonat November überrascht mit der Konzept- und Installationskünsterin Jenny Holzer. Sie hat einen schwarzen Garten als Mahnmal und Denkmal mit schwarzblühenden oder schwarzblättrigen Blumen und Pflanzen kreiiert, den sie Jahr für Jahr besucht und ergänzt.

Als Übergang ins Jahr 2011: Ein üppiges Blumenbild, mitten im Winter ein Versprechen, dass die Schönheit der Gärten wiederkehren wird wie wir sie brauchen als “Traum vom Ruhen und Rasten”.

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis:
in der edition ebersbach erscheint auch der Literarische Kalender MÄNNER - der 2010 unter dem Titel Liebhaber Verführer & Herzensbrecher erscheint

Der Literarische Frauenkalender 2010
Hinaus in den Garten
Text- und Bildredaktion: Hèlène Jamin
edition ebersbach
Wandkalender, 24,1 x 33,3
56 Seiten, 4-farb., Spiralbindung
20 Euro

aus Literaturkalender 2010 in Deutsches Jahrbuch für Autorinnen und Autoren 2010/011, Autorenhaus Verlag GmbH Berlin

der Arche Literaturkalender hat seit langem seinen eigenen platz an meiner wand, er begleitet mich schon durch viele jahre. ich lebe mit seinen schrifstellern immer eine woche lang und begegne mit jedem neuen blatt anderen dichtern. für jedes jahr wird eiine neue thematik zum themenmittelpunkt. in diesem jahr, 2009, war das stichwort “Beziehungen”. im kommenden jahr 2010 geht es ums “Schreiben & Lesen”
neugierig blättere ich die 61 seiten durch: fotos, zitate und ein authentischer text zur situation, in der sich der schriftsteller befand, auf jeder seite. und auf den letzten kalenderseiten zusätzlich informationen zu leben und werk. mit viel sensibilität haben Elisabeth Raabe und Klaus Blanc (text) und Regina Vitali (foto) die verbindungen zwischen zitat und bild hergestellt.
gleich die erste seite spricht ein existentielles lebens- und arbeitsproblem des schriftstellerdaseins an. mit der verehrten, in diesem frühjahr verstorbenen dänischen lyrikerin Inger Christensen beginnt die erste woche des neuen jahres 2010:

“Das ist die klassische Situation des Dichters. Die stundenlange, vielleicht tagelange Konfrontation mit dem weißen Papier (…) beschreibt die dichterin das ringen um ausdruck. “Denn im Anfang steht nichts auf dem weißen Papier, kein einziges Wort.”
den weg finden aus dem nichts des anfangs und das wissen, dass dies auch großen literaten nicht erspart bleibt, ist vielleicht ein trost für autoren, die noch nicht in ausdauer geübt sind.
Arche Literatur Kalender 2010
Arche Kalender Verlag
61 Blätter, 60 vierfarbige Abb.
24 x 28 cm Spiralbindung
19.- Euro

der taschenkalender für das jahr 2010 ist ab sofort zu haben:
speziell für autoren ist er ein handlicher begleiter, nicht nur für termineintragungen. zum lesen unterwegs werden themen, die für autoren von interesse sind, angeboten, praktische websites, artikel von den 42autoren selbst und gastbeiträge wie beispielsweise von Andreas Eschbach, der die frage “Autor bleiben - aber wie?” beantwortet. besonders interessant: das experiment mehrerer autoren, die wissen wollten wieviel schlechten text man gedruckt bekommt, wenn man viel geld dafür bezahlt.
Autorenkalender 2010
Herausgegeben von den 42er Autoren e.V.
ISBN 978-3-932522-13-0
9.95 Euro

was gibt es schöneres als eine katze mit büchern? ganz respektlos liegt sie auf dem gedankengut herum, als genüge müßiggang, um sich weiterzubilden. als sei weisiheit katzensache und gehöre ihr von natur aus, ohne dass sie sich darum bemühen müsse:

jene katze, verbunden mit Schopenhauer, dessen werk schließlich auch nur “eine sprosse auf der leiter zur erkenntnis” ist - kalenderblatt vom 13. september 2010

Der literarische Katzenkalender 2010
Hg. Julia Bachstein
Verlag Schöffling & Co
Wandkalender 24 x 32
56 Bl., 2-farbig, Spiralbindung
19.95 Euro

zwölf gemälde, die das thema lesende frauen illustrieren, zwölf frauen, die sich, gebannt vom inhalt ihres buches, aus der gegenwart entfernt haben, abgetreten aus ihrer welt in die welt des buches vertieft sind. zu den bildern die zitate aus der literatur, aus büchern und briefen - jedes monatsblatt ein ruhepunkt:
im januar Karin Duve mit einem auszug aus ihrem Roman “Dies ist kein Liebeslied” und wunderbar passend dazu: Edgar Degas “Lesendes Mädchen”; im april ein auszug aus dem roman “Insel 34″ von Annette Pehnt, illustriert mit einem gemälde von August Macke. im september ein auszug aus Penelope Fitzgeralds Roman “Die Buchhandlung”. und im dezember, angekommen bei Emily Bronte, fragt man sich, warum es noch keinen kalender Lesende Männer gibt. ist das etwa so selten - entspannter mann mit buch statt zeitung?
Wandkalender
Idee und Konzept: Gabriele Kalmbach
12 farbige Kalenderseiten
341 x 274 x 5, Spiralbindung
12.95 Euro

ich fange gleich an mit meinem lieblinhgskalenderblatt:
10. woche - märz, Marguerite Duras gewidmet: die schriftstellerin am arbeitsplatz sieht zufrieden und entspannt aus, wofür sie sonst nicht gerade bekannt ist. vielleicht hat sie gerade ein stück oder einen roman wie “Der Liebhaber” abgeschlossen, von dem sie noch nicht weiß, dass daraus ein wunderbarer film werden wird.
im april ein wildes kalenderblatt: Charles Swinburne, vor zweihundert jahrealter freigeist, der nichts dabei fand, die leser durch seine erotischen texte zu empören: mit flammend roter dichtermähne, klischeevorstellung und inbegriff des eigenwilligen künstlers, als ölgemäle verewigt von William Bell Scott
eines der mai-blätter zeigt Erwin Kisch, reporter, schriftsteller und namensgeber des bekannten journalistenpreises - großartig von Christan Schad porträtiert: tätowierter oberkörper, feder und vogel auf den schultern, dolch im herzen
und dann regen im august: Il Pleut von Guillaume Apollinaire - ein blatt, auf dem senkrecht ein gedicht in buchstabentropfen regnet
ein geheimnisvolles septemberblatt mit zeilen von Ulrich Bräker: Die Welt ist mir zu eng … dazu der fliegende fisch, auf dem zwei menschen reiten von Hieronymus Bosch
die 42. woche mit dem metapherngedicht von Conrad Ferdinand Meyer “Eingelegte Ruder” in starker farbübersetzung von Simon Laurie
zum ende des jahres das novemberblatt, geliebt für seine melancholische stimmung: hund am strand “klagt” das meer das meer an
sicher findest du deine eigenen lieblingsblätter unter den 53 kalenderseiten!
Artemis & Winkler Literaturkalender 2010
Texte: Susanne Rich
Bild + Text Redaktion: Kristina Krüger
Wandkalender mit Spiralbindung
53 Seiten, farbig
297 x 241 x 10
18.- Euro

ist das thema dieses edlen buchkalenders, der auf 128 seiten die gelungene verbindung von literarischen texten mit origineller typografie zeigt. assoziativ sind die ausgewählten zitate ins bildhafte übersetzt. im mai zum beispiel findet der schreibende leser gleich zwei schriftsteller-aussagen, die das leiden des autors an der welt als voraussetzung für ein gelungenes werk beschreiben. ein mann und eine frau. der eine vor 100 jahren, die andere vor 200 jahren geboren:

Elias Canetti: “Schreiben, bis man das eigene Unglück nicht mehr glaubt, im Glück des Schreibens.”
sehr viel drastischer sagt es Marie von Ebner-Eschenbach:
“Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat wie ein Hund.”

gleichfalls eine schöne symbiose von grafik und literatur u.a. in der ersten dezemberwoche das zitat von Doris Dörrie:
“Und davon träume ich jedes Mal, wenn ich ein Buch öffne (…)” weiterträumen im kalenderbuch

die zitate von schriftstellern übers schreiben und lesen und die überraschenden grafischen übersetzungen dazu auf der gegenüberliegenden seite sind auch typografisch als anregung für autoren interessant: ein buch zum behalten und verschenken in weinrotem leinenkleid mit prägung und schwarzem lesebändchen.
Literarischer Buchkalender
Armin Stingl
Lesen & Schreiben 2010
rotbedrucktes Vorsatzpapier, schwarzes Lesebändchen
2-farbig, 14,8 x 21
19.90 Euro
ars vivendi verlag, Cadolzburg

Rainer Moritz, leiter des literaturhaus Hamburg, ist herausgeber dieses literarischen kalenders im verlag Artemis & Winkler. der titel haut gleich richtig hin: “lLteratur und Boxen”. wer literaten ausschließlich für sensible feingeister hielt, kann sich jetzt davon überzeugen, dass schriftsteller nicht nur über den inneren schmerz geschrieben haben:

ein künstlerisches kalenderblatt wartet auf den betrachter im aprill (dem monat, in dem bekanntlich sehr kämpferische menschen geboren werden) und wird illustriert vom meister des modernen holzschnitt Willliam Nicholson. der text zum blatt stammt von
Wolf Wondratschek: “Boxen ist ein Urschrei. Boxen ist der Kompromisss, den eine mörderische Gesellschaft eingeht mit ihren Opfern. (…)”
im juni steht Vicky Baum am Punching Ball. aus dem magazin “Boxen. Eine Faustschrift” stammt das zitat dazu:
“Faustkämpfer und Schriftsteller schaffen sich ihr eigenes moralisches Universum. (…)
der monat juli enthält eine satirische boxerzeichnung und die verse von Fred Endrikat:
“Du brauchst dich deiner Hiebe nicht zu schämen, denn Geben ist bekanntlich seliger denn Nehmen (…)”
nur noch soviel: boxen kucken kann schöner sein, wenn man es auf kalenderblättern erlebt und genügend humor und satire dabei ist.
Literatur und Boxen 2010
Hg. Rainer Moritz
Wandkalender, 2-farbig
26 Seiten, Format 296 x 241 x 8
18.- Euro
Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf

Fliegende Wörter

muss man einfangen wie es die dichter tun, deren verse die lektoren des Daedalus Verlags in 53 “qualitätsgedichten” vorstellen. und das jetzt schon im 16. jahr dieses kalenderlebens: ein optisch-lyrisches überraschungsgeschenk. manches blatt ist grafisch so gelungen mit dem gedicht verbunden, das man es sich als kleinplakat wünschen möchte.

hier eine kostprobe aus dem inhalt: in der 2. juniwoche 2010 warnt Ernst Jandl davor, den wörtern zu vertrauen, jenen, die eben nicht fliegen wollen:
“erwarte von den wörtern nichts…” so treffend für die, die mit ihnen arbeiten. und gleich auf der nächsten kartenseite ein wortspiel dem fussball “gewidmert”.

ich verschenke den Daedalus-Kalender jedes jahr. nicht nur an literaturfreunde sondern auch an notorische lyrikabstinenzler, die ich bekehren möchte.
eigentlich ist er zum aufhängen gedacht, aber wenn an meiner zettelwand kein platz ist, stelle ich ihn auch gern in der nähe auf - ein schmeichelstein davor und dahinter gibt ihm den nötigen halt.
hatte ich erwähnt, dass die gedichte farbigen hintergrund haben und die verschiedenen schrifttypen rhythmisch mit den wörter fliegen? und dass einzelne gedichtkarten auch einmal den weg zu freunden finden, zu denen sie passen, selbst wenn das die vollständigkeit des sammlerstücks gefährdet?
Fliegende Wörter 2010
53 Qualitätsgedicht zum Verschreiben und Verbleiben
Hg. Andrea Grewe, Hiltrud Herbst und Doris Mendlewitsch
Postkartenkalender, 56 Blatt, vierfarbig 16×18 cm,
Eur 15.90
Daedalus Verlag Joachim Herbst, Münster

Next Page »