die schriftstellerin hatte sich gut vorbereitt für ihre ansprache zur gedenkfeier für ihren vater an der University of Minnesota. während des vortrags begann sie plötzlich ohne vorherige anzeichen am ganzen körper zu zittern, “Arme und Beine gerieten völlig außer Kontrolle”. weder neurologen noch nader ärzte fanden eine erklärung für dieses phänomen, das sich seither wiederholt. Sandra Kegel im interview mit der schriftstellerin fragt:

War das Buch auch eine Art Therapie?

“Das Erzählen ist ein Weg, die Krankheit und den Schmerz zu beherrschen, nicht aber zu heilen. Das Sprechen und Schreiben darüber hilft.n Ich durchdringe mein Leiden auf neurologischer und psychologischer Ebene, und das Buch reflektiert diesen Vorgang. Doch die Krankheit ist nicht überwunden. Und auch da ist die Perspektive enscheidend. Denn es gibt in der Wissenschaft Hinweise darauf, dass es die reine, also biologische Empfindung von Schmerz gar nicht gibt, sondern sie von der Persönlichkeit des Erkrankten abhängt. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist die Art und Weise, wie man sie persönlich wahrnimmt, entscheidnend für den Verlauf. Bei einer Grippe kehrt man schnell zu demjenigen zurück, der man glaubt zu sein. Eine chronische Krankheit kann man nur annehmen oder verdrängen. Deshalb lautet der letzte Satz in meinem Buch: “Ich bin die zitternde Frau.” Das bedeutet, dass ich die Krankheit angenommen habe. Und zwar nicht als Fremdling sondern als Teil von mir.”
Die zitternde Frau. Eine Geschichte meiner Nerven. erscheint bei Rowohlt