Mo 22 Feb 2010
Brigitte Kramer im gespräch mit der erfolgreichen spanischen literaturagentin Carmen Balcells, die schriftsteller wie Roberto Bolano, Antonio Lobo Antunes, IsaelCarlos Fuentes, Gabriel Garcia Marquez, Mario Vargas Llosa, Juan Carlos Onetti berühmt gemacht hat.
Sie waren vierzig Jahr Literaturagentin. Worauf gründet Ihr Erfolg?
“Bei meinen Verhandlungen habe ich mir eine ziemlich unorthodoxe Methode zugelegt. Imer, wenn ein Verleger einen leicht verkäuflichen Autor wollte, habe ich ihn gebeten, auch einen “schwierigen” dazuzunehmen. So konnte ich viele damals unbekannte Autoren verkaufen. Das ist mir zum Beispiel Anfang der achtziger Jahre mit Isabel Allendes Debütroman “Das Geisterhaus” geluntgen. Generell verstehe ich mich als Güterverwalterin auf Kommissionsbasis. Dass ich diese Güter exklusiv und weltweit verwaltet habe, das hat einen riesigen bürokratischen Aufwand nach sich gezogen, der eigentlich nicht tragbar ist. In der Agentur arbeiten heute 40 Personen.
Sonst war meine Arbeit wie die von allen Leuten. Man versucht, Hindernisse zu umschiffen, und wenn sich unterwegs die Gelegenheit ergibt, die Ereignisse zu steuern, um so besser. Ich wurde aber auch betrogen, verraten, hintergangen … Mein Beruf war vor allem durch eines geprägt: zwischenmenschliche Beziehungen.”
Dafür sind Sie offenbar begabt.
“Wenn die Arbeit darin besteht, fremde Interessen zu vertreten, dann ist das Talent des anderen der größte Reichtum. Meine Begabung ist es, dieses Talent bei anderen zu erkennen. Die Arbeit war nie bequem, aber außerordentlich anregend. Ich konnte viel beitragen: etwa das Kleingedruckte der Verträge. Dabei darf man den Pressionen nicht nachgeben, die man von allen Seiten zu spüren bekommt.”
Was hat Ihnen in Ihrem Beruf geholfen?
“Meine Unbefangenheit. Ich suche noch heute das Lesevergnügen mit derselben Unvoreingenommeheit wie vor 40 Jahren. Die ersts Seite genügt mir mittlerweile, um zu wissen, ob ein Manuskript mir gefällt.”