Di 26 Mai 2009
Charles Bukowski: einfacher schreibtipp
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
aus einem brief an Joe Stapen, veröffentlicht in Schreie vom Balkon, 2005 bei Gingko Press:
“… ich schreibe nicht, um irgendwelche Mitmenschen zu retten. Die meisten kann ich nicht einmal ausstehen. Also, ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll. Ich schreibe Wörter hin und vergesse sie wieder. Jemand fragte mich mal nach meiner Lebensphilosophie, und ich sagte: ‘Brich dir keinen ab.’ Das gilt auch fürs Schreiben. Ich tippe einfach was hin, und wenn ich mehr sage als das, breche ich mir bereits einen ab.
27. Mai 2009 um 10:53
Mein liebster Charles — das hört sich ganz anders an als das, was ich von Dir mal las - wörtlich habe ich es nicht mehr in Erinnerung, aber es klang wie folgt:
Der Großteil meiner Leser ist sich wohl nicht bewußt, warum ich schreibe: ich schreibe, um herauszufinden, ob ich den nächsten Tag noch erleben will oder nicht.
Das klingt ganz danach, als würdest Du dir einen abbrechen — aber egal, ich kenne Dich gut und verzeihe Dir Deine Inkonsequenz; ich bins ja auch und habe sehr viel von Dir gelernt — hast mich gar in den Abgrund gezogen, als ich Dir saufend nacheiferte.
Ich habs überlebt und glaube, ein richtiger Schriftsteller muss am Abgrund, auf der Rasierklinge wandeln — ansonsten schreibt er nur belanglosen Scheiß.
Herzlichst Dein XMey