Do 11 Sep 2008
kein respekt vor dem genius: gewäsch und herzklopfen aus dem unterleib
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
zwei kollegen hatten mut und kritisierten den erhabenen dichter deutscher sprache Johann Wolfgang von Goethe:
Christian Dietrich Grabbe, der heute, in zeiten großzügiger autorenförderung, gelegenheit hätte, seine kühne behauptung zu beweisen:
“Was ist das für ein Gewäsch über den Faust! Alles erbärmlich. Gebt mit jedes Jahr 3000 Taler und ich will Euch in drei Jahren einen Faust schreiben, dass Ihr die Pestilenz kriegt.”
Und Ludiwg Börne, der sich über Goethes handfeste vorstellung von der liebe mokiert:
“Goehte hatte weder Sinn noch Geist für edle Liebe, er verstand ihre Sprache nicht, noch ihr stummes Leiden. Die Liebe, die er begriff, die ihn ergriff, das war die gemeine, jenes Herzklopfen, das aus dem Unterleibe kommt …”
10. Oktober 2008 um 00:54
Alles, was ich bisher über Goethe weis, auch durch den überzogenen Kult der um ihn gemacht wird, lässt mich erahnen, dass er einen großen Teil seines Ruhmes seinem Stand, seiner Stellung und seinem ausgeprägten Ehrgeiz zu verdanken hat. Er war nicht nur Poet und Naturwissenschaftler, sondern auch ein sehr politischer Mensch, der nicht nur die Führung und Erhaltung eines Gemeinwesens, sondern vor allem die seines Privatwesens im Auge hatte. Es ist naiv zu glauben, dass er all die Voraussetzungen und Umstände nur für edle, gemeinnützige Bestrebungen genutzt hätte. Natürlich hat er Großes geleistet und uns einen literarischen- und naturwissenschaftlichen Schatz hinterlassen und natürlich schwingt in den oben genannten Zitaten Neid oder Provokationslust mit. Aber auch ich halte ihn nicht für das goldene unantastbare Genie seiner Zeit.