hier eine passage aus Martin Walsers neuem roman “Ein liebender Mann”, Rowohlt Verlag, in dem die transformation des schriftstellers Martin Walser in den deutschen literaturheiligen Johann Wolfgang von Goethe gelingt - und zwar perfekt:

“Was auch immer er geschrieben hat, er hat immer mitgeschrieben, dass er schrieb. Der Schreibende soll nicht so tun, als komme, was er schreibe, von selbst auf das Papier. Wenn gar etwas nicht diktiert sondern eigenhändig geschrieben wurde, musste auch vom Schreiben des Schreibenden die Rede sein. Wenn die Notwendigkeit zu schreiben so unmissverständlich war wie in Jena in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1823, dann fühlte sich der Schreibende in dieser Notwendigkeit geborgen. Der Zustand, in dem er war, kann Unschuld heißen oder Bedenkenlosigkeit oder Freiheit.”

der leser erfährt so viel glaubwürdig imaginiertes über leben und wesen des großen alten literaten Goethe, dass er, wie ich, nicht anders kann als den sicherheitsabstand aufzugeben, den er seit vielen jahren aufgebaut hat. es ist aber auch ein buch der konsequent durchgehalteten schreibstimmen geworden und damit fast eine art lehrbuch für noch unfertige autoren.