Do 21 Feb 2008
ratschläge für einen jungen dichter
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
aus briefen von Max Jacob, dem französischen malerdichter (geboren 1876, gestorben 1944 im Lager Drancy):
“Die Inspiration!
Ob ich an die Inspiration glaube? Aber gewiß! Ich glaube sogar, daß alle Menschen Inspirierte sind. Man nennt das Eingebung. Oder auch Versuchung. Das hängt von der Person ab, die einen inspiriert. (…) Die Inspiration bedarf der Überwachung.
Prüfe dich. Das heißt Refelexion, doppelte Reflexion: sich leben sehen, die anderen leben sehen.
Darin besteht das innere Leben.”
“Das Klischee
ist ein bequemes Paßwort im Gespräch, um sich die Empfindung zu ersparen. Ein Dichter aber soll jedes seiner Worte empfinden; der Bürger hat keine Zeit dazu, daher die Eselsbrücken, die man “Klischees” nennt. … Der Dichter dosiert seine Klischees: ganz kann er nicht darauf verzichten, er würde sonst unverständlich; er muß wissen, wann er ein Wort gebrauchen darf, das keine vorgeprägte Formel ist, so daß es neu wirkt, ohne dunkel zu sein.”
“Die Ideen
haben nichts mit der Poesie zu schaffen: das Unausdrückbare zählt. Die Ideen gehören dem Menschen nicht; (…) Sie hören auf, Ideen zu sein, wenn du sie durch und durch empfindest, bis in den Tod, wenn du sie erfährst und durchleidest, wenn du sie in Empfindungen verwandelst.”
Tagebuchaufzeichnungen
“Mache dir jeden Tag Aufzeichnungen, deutlich lesbar, sorgfältig mit Datum versehen. Hätte ich tagtäglich das Tagebuch meines Lebens gesführt, ich besäße heute den Dictionnaire Larousse. Ein aufgefangener, festgehaltener Ausspruch - und eine ganze Atmosphäre ist wieder gegenwärtig. Ach! was man nicht alles verliert! All diese verlorenen Perlen! Schreibe das Tagebuch deines Lebens: ….”
Die Zitate sind dem schönen dunkelgrünen Leinenbüchlein: Max Jacob - Ratschläge für einen jungen Dichter, Deutsch von Friedhelm Kemp, aus dem Alexander Verlag Berlin entliehen
3. Juni 2009 um 12:42
Das schönste Elfchen aller Zeiten:
Du
bläuliche Augen
brennen mein Herz
kann Dir nicht sagen,
wie!
Dieses einfache Gedicht, verfasst von mir beim Anblick und Kuss einer Muse, zeigt mir, dass ich schreiben muss — sonst gehe ich ein. Als wenn Rilke mit einem persönlich spricht, kann man seine Briefe lesen. Was ich gelesen habe, ist überwältigend:
http://www.rilke.de/briefe/170203.htm
Natürlich, fast alles von Rilke ist krass: er ist der Fürst, ich bin nur sein niederster Lakai.