Mi 7 Nov 2007
lyrik und prosa: Ich und Ich
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
der bekannte amerikanische Lyriker Mark Strand erklärt, worin sich der blick des lyrikers von dem des romanschriftstellers unterscheidet:
“Der Fokus des Lyrikers ist ein anderer als der des Romanciers. Er richtet seinen Blick nicht nur auf die äussere Welt, sondern auf die Schnittstelle zwischen innerer und äusserer Welt, an der die Sensibiliät des Dichters auf das Wetter, auf die Strasse, auf andere Menschen trifft und auf das, was er liest. Der Lyriker beschreibt diese Berührungspunkte: das Ich, den Rand des Ichs und den Rand der Welt und das Schattenland zwischen dem Ich und der Welt. Manchmal neigt er mehr dazu, für das Ich zu sprechen, manchmal, objektiver, für die Welt. Wenn die Balance sich mehr dem eigenen Ich zuneigt, kann es geschehen, dass in einem Gedicht scheinbar unverständliche und auf den ersten Blick merkwürdige Dinge zur Sprache kommen. Je weiter man sich von der Welt, die jedermann zu kennen glaubt, entfernt, um so fremder sehen die Dinge aus. Das gibt es auch in Romanen, aber eher selten. In den meisten Romanen geht es um das, was “drasusen” geschieht, und der Erzähler löscht sein Ich zugunsten der Handlung mehr oder weniger aus. Aber es gibt auch Erzähler, die ihr Ich in die Geschichte mit einbringen wie zum Beispiel Philip Roth es auf so billiante wie überraschende Weise tut.”
(…) Gedichte verlangen nicht nur Geduld, sie verlangen Hingabe. Man muss sich ganz auf sie einlassen. Wenn man das getan hat, und sie ins eigenen Denken aufgenommen hat, dann wird ihr Einfluss auf uns noch stärker. Die Nahrung für einen Dichter sind Gedichte von anderen Dichtern.”
ist ist eine große herausforderung gedichte aus einer anderen sprache ins deutsche zu übertragene und neben der beabsichtigten aussage auch die eigenheit und den rhythmus zu erhalten. der Suhrkamp Verlag hat einen gedichtband von Mark Strand mit dem titel Dunkler Hafen veröffentlicht.