Di 4 Sep 2007
Jakob Ajourni: Für intelligente Kritiker gehe ich meilenweit.
Geschrieben von gerhild unter Allgemein
manche schriftsteller lesen nach erscheinen ihres neuen buches überhaupt keine kritiken. alles ist getan, gedruckt und draußen, keine chance mehr, noch irgendetwas zu ändern. man hätte gerne noch mehr zeit gehabt, um den text reifen zu lassen, ihn zum vierten oder fünften mal zu überarbeiten, aber der verlag hat gedrängt und der vorschuss ist dahingeschmolzen und irgendwann muss man loslassen. das buch betritt die arena des literaturbetriebs und die rezensenten warten schon in den rängen: die monate- oder jahrelange arbeit des autors steht vor dem noch unentschlossenen daumen der kritiker …
Jakob Ajourni erträgt diese spannung relativ gelassen. wenn er einen neuen text fertiggeschrieben hat, zeigt er ihn einigen wenigen: “Wichtig ist mir die Meinung der ersten drei, vier Leute, die etwas Neues von mir lesen. Wenn die es mögen, werde ich ruhig.”(…)”Ich suche die Kritik geradezu, auch wenn manche Einwände natürlich wehtun können. Aber ich weiß, daß ich Anregungen und Kritik brauche, denn oft verliere ich mich in einer Geschichte, gerade wenn ich zwei, drei Jahre am Stück daran sitze. Und wenn mir die Kritik dann einleuchtet, bin ich bereit, vieles zu ändern. Für intelligente Kritiker gehe ich meilenweit.”
13. September 2007 um 17:41
»Für intelligente Kritiker gehe ich meilenweit« – ja, das würde ich sofort unterschreiben.
Nur gibt es so gut wie keine intelligenten Kritiker. Dumme Kommentare dafür um so mehr.
Ich habe immer gehofft, ich bekäme einmal intelligente Hinweise, um mich weiterentwickeln zu können, aber mittlerweile habe ich diese Hoffnung aufgegeben.
Ich hoffe, ich entwickle mich auch ohne das weiter. Beziehungsweise ich weiß es, denn wenn ich meine alten Bücher lese, sehe ich dort doch viele Fehler, die ich mittlerweile – durch harte handwerkliche Arbeit – überwunden habe.
Also braucht man wohl keine Kritiker, um sich weiterzuentwickeln, man braucht nur sich selbst.
Ist man sich selbst nicht sowieso der beste Kritiker?
Trotzdem wäre es schön, ein paar intelligente Kritiker zu haben. Aber die meisten Kritiker sind zu neidisch auf das, was man erreicht hat und sie nicht. Sie wollten die großen Schriftsteller sein und haben es nicht geschafft. Jetzt kritisieren sie andere, die es geschafft haben.
C’est la vie.
Gruß,
eine Schriftstellerkollegin
2. April 2008 um 22:07
Kommentar zum Kommentar “Für intelligente Kritiker gehe ich meilenweit.”
Ich hatte noch nicht das Glück mich in den öffentlichen Literaturbetrieb einreihen zu können, aber ich übe in meinem Literaturforum. Und dort erlebe ich ziemlich viele und gute Kritiken zu meinen Texten und denen der anderen. Als ich noch ganz alleine an meinen Texten arbeitete kam ich nur langsam voran - jetzt geht’s im Galopp! Sollten all die klugen Leute sich später - in der “wahren Welt der Literatur” - in Neidhammel verwandeln? Ich versuche mir immer die einleuchtenden Häppchen aus der gesamten Kritik zu fischen und zum Rest gehe ich auf Distanz. LG Lillilu